{"id":7944,"date":"2019-04-26T17:00:03","date_gmt":"2019-04-26T17:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.hhu.de\/duesseldorfer-archiv\/?p=7944"},"modified":"2019-04-26T12:50:15","modified_gmt":"2019-04-26T12:50:15","slug":"4a-o-146-17-prozessvollmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/d-prax.de\/?p=7944","title":{"rendered":"4a O 146\/17 &#8211; Prozessvollmacht"},"content":{"rendered":"<p><strong>D\u00fcsseldorfer Entscheidungsnummer: 2848<\/strong><\/p>\n<p>Landgericht D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p>Urteil vom 13. Dezember 2018, Az. 4a O 146\/17<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<ol class=\"urteil\">\n<li>I. Die Klage wird als unzul\u00e4ssig abgewiesen.<\/li>\n<li>II. Die Kosten des Rechtsstreits tr\u00e4gt die Kl\u00e4gerin.<\/li>\n<li>III. Das Urteil ist vorl\u00e4ufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in H\u00f6he von 115 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.<\/li>\n<li>Tatbestand<\/li>\n<li>Die Kl\u00e4gerin nimmt die Beklagte aus einem behaupteten Lizenzvertrag auf Zahlung in Anspruch.<\/li>\n<li>Die Beklagte erhebt die Einrede der Verj\u00e4hrung.<\/li>\n<li>In der von Herrn Rechtsanwalt A eingereichten Klageschrift behauptet er, namens und in Vollmacht der Kl\u00e4gerin zu handeln. Insofern tr\u00e4gt er vor, die Kl\u00e4gerin verbinde mit der Beklagten ein Lizenzierungsvertrag. Aus Ziff. 5.3 des Lizenzvertrages ergebe sich, dass die Kl\u00e4gerin f\u00fcr den Fall, dass ihr das Patent f\u00fcr das vertragsgegenst\u00e4ndliche \u201eC\u201c erteilt werde, von der Beklagten einen Betrag in H\u00f6he von EUR 118.000,00 beanspruchen k\u00f6nne. Das Patent sei erteilt worden.<\/li>\n<li>Herr Rechtsanwalt A hat angek\u00fcndigt, f\u00fcr die Kl\u00e4gerin zu beantragen:<\/li>\n<li>Die Beklagte wird verurteilt, an die Kl\u00e4gerin EUR 118.000,00 nebst f\u00fcnf Prozentpunkten Zinsen \u00fcber dem Basiszinssatz ab Rechtsh\u00e4ngigkeit zu zahlen.<\/li>\n<li>In der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 11.12.2018 ist f\u00fcr die Kl\u00e4gerin niemand aufgetreten.<\/li>\n<li>Die Beklagte beantragt,<\/li>\n<li>die Klage abzuweisen.<\/li>\n<li>Die Beklagte tr\u00e4gt vor, die Kl\u00e4gerin sei nicht aktivlegitimiert und auch nicht wirksam vertreten. Die Beklagte bestreitet, dass der Kl\u00e4gervertreter \u00fcberhaupt von der Kl\u00e4gerin bevollm\u00e4chtigt ist.<\/li>\n<li>Die Klage sei ferner unschl\u00fcssig und unbegr\u00fcndet.<\/li>\n<li>F\u00fcr die weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstands wird erg\u00e4nzend auf die ausgetauschten Schrifts\u00e4tze samt Anlagen sowie auf das Protokoll der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 11.12.2018 Bezug genommen.<\/li>\n<li>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/li>\n<li>Die Klage ist als unzul\u00e4ssig abzuweisen.<\/li>\n<li>I.<br \/>\nHerr Rechtsanwalt A, der f\u00fcr die Kl\u00e4gerin auftritt, hat nicht nachgewiesen, von dieser ordnungsgem\u00e4\u00df bevollm\u00e4chtigt zu sein.<\/li>\n<li>1.<br \/>\nDer Mangel der Vollmacht kann nach \u00a7 88 Abs. 1 ZPO vom Gegner in jeder Lage des Rechtsstreits ger\u00fcgt werden. Nachdem die Beklagte das Bestehen einer Vollmacht bestritten hat, hat die Kammer dem Kl\u00e4gervertreter mit Beschluss vom 28.11.2018 gem\u00e4\u00df \u00a7 80 S. 2, 2. HS ZPO aufgegeben, die Originalvollmacht zu den Gerichtsakten zu reichen.<\/li>\n<li>Erfolgt innerhalb der gesetzten Frist keine Vorlage, so ist die Bevollm\u00e4chtigung als nicht gegeben anzusehen, wobei der Anwalt die Bevollm\u00e4chtigung unabh\u00e4ngig vom Ablauf der Frist noch bis zum Schluss der m\u00fcndlichen Verhandlung vorlegen kann \u2013 es handelt sich bei der Frist nach \u00a7 80 S. 2, 2. HS ZPO nicht um eine Ausschlussfrist (BGH, NJW 1994, 2298; BeckOK ZPO\/Piekenbrock, 30. Ed. 15.9.2018, ZPO \u00a7 80 Rn. 14). Dem Kl\u00e4gervertreter obliegt es alleine, die Vollmacht nachzuweisen; eine Amtsermittlung findet nicht statt (Musielak\/Voit\/Werth, 15. Aufl. 2018, \u00a7 88 Rn. 9). Verbleibende Zweifel an der Bevollm\u00e4chtigung gehen zu Lasten der vertretenen Partei (Z\u00f6ller\/Althammer, ZPO, 32. Aufl. 2018, \u00a7 80 Rn. 12).<\/li>\n<li>Danach ist Herr Rechtsanwalt A als nicht bevollm\u00e4chtigt anzusehen. Der Beschluss der Kammer vom 28.11.2018 ist Herrn Rechtsanwalt A gem\u00e4\u00df der bei der Akte befindlichen Zustellungsurkunde (Bl. 30 GA) am 03.12.2018 zugestellt worden. Herr Rechtsanwalt A hat dennoch weder innerhalb der gesetzten Frist noch bis zum Schluss der m\u00fcndlichen Verhandlung am 11.12.2018 eine Vollmacht eingereicht.<\/li>\n<li>2.<br \/>\nDie Klage ist aufgrund der mangelnden Bevollm\u00e4chtigung von Herrn Rechtsanwalt A als unzul\u00e4ssig abzuweisen.<\/li>\n<li>a)<br \/>\nOhne Prozessvollmacht des handelnden Rechtsanwalts ist die Kl\u00e4gerin nicht ordnungsgem\u00e4\u00df vertreten (BeckOK ZPO\/Piekenbrock, 30. Ed. 15.9.2018, ZPO \u00a7 80 Rn. 11). Die vorherige Erteilung der Vollmacht ist Prozesshandlungswirksamkeitsvoraussetzung (BeckOK ZPO\/Piekenbrock, a.a.O.). Es handelt sich um eine Sachurteilsvoraussetzung, deren Vorliegen nach entsprechender R\u00fcge (\u00a7 88 ZPO) in jeder Lage des Verfahrens zu pr\u00fcfen ist (BGH, NJW 2002, 1957, 1958 a.E.). Ergreift der Mangel der Vollmacht bereits die Erhebung der Klage, wird trotzdem die von ihm vertretene Person Partei. Die Klage ist dann durch ein gegen die Partei gerichtetes Prozessurteil als unzul\u00e4ssig abzuweisen (GmS-OGB NJW 1984, 2149; BayObLG, NJW 1987, 136, 137; BeckOK ZPO\/Piekenbrock, 30. Ed. 15.9.2018, ZPO \u00a7 88 Rn. 14).<\/li>\n<li>b)<br \/>\nEs konnte auch ein Prozessurteil ergehen, obwohl f\u00fcr die Kl\u00e4gerin im Termin vom 11.12.2018 niemand aufgetreten ist. Auch wenn die nicht ordnungsgem\u00e4\u00df vertretene Partei nicht erscheint oder nicht verhandelt, ergeht kein Vers\u00e4umnisurteil (Musielak\/Voit\/Weth, 15. Aufl. 2018, \u00a7 88 Rn. 12). Eine unzul\u00e4ssige Klage eines s\u00e4umigen Kl\u00e4gers ist vielmehr durch Instanz beendendes Prozessurteil abzuweisen (Musielak\/Voit\/Stadler, 15. Aufl. 2018, Rn. 12 m.w.N.; BeckOK ZPO\/Toussaint, 30. Ed. 15.9.2018, ZPO \u00a7 330 Rn. 9).<\/li>\n<li>II.<br \/>\nDie Kosten tr\u00e4gt die Kl\u00e4gerin, \u00a7 91 Abs. 1 S. 1 ZPO.<\/li>\n<li>Die Kosten des nutzlosen Verfahrensaufwands k\u00f6nnen nach dem sogenannten Veranlasserprinzip verteilt werden (BeckOK ZPO\/Piekenbrock, a.a.O., \u00a7 88 Rn. 19; Musielak\/Voit\/Weth, 15. Aufl. 2018, \u00a7 88 Rn. 14). Es muss jedoch im Einzelfall entschieden werden, wer das Auftreten des vollmachtlosen Vertreters veranlasst hat. Dies kann die vertretene Partei sein, etwa dann, wenn sie mangels Gesch\u00e4ftsf\u00e4higkeit eine nichtige Vollmacht an den gutgl\u00e4ubigen Vertreter erteilt hat. Dagegen tr\u00e4gt der vollmachtlose Vertreter die Kosten selbst, wenn er in Kenntnis des Vollmachtmangels aufgetreten ist; blo\u00dfe Fahrl\u00e4ssigkeit steht seiner Kenntnis allerdings nicht gleich (Musielak\/Voit\/Weth, 15. Aufl. 2018, 88 Rn. 15).<\/li>\n<li>Hier ist unklar, wer den Mangel der Vollmacht veranlasst hat. Es kann jedenfalls nicht ausreichend festgestellt werden, dass Herr Rechtsanwalt A diesen kannte. Insoweit bleibt es bei der Kostenverteilung nach \u00a7 91 Abs. 1 S. 1 ZPO.<\/li>\n<li>Die Entscheidung zur vorl\u00e4ufigen Vollstreckbarkeit folgt aus \u00a7 709 ZPO.<\/li>\n<li>III.<br \/>\nDer Streitwert wird auf EUR 118.000,00 festgesetzt.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorfer Entscheidungsnummer: 2848 Landgericht D\u00fcsseldorf Urteil vom 13. 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