{"id":753,"date":"2010-04-20T17:00:53","date_gmt":"2010-04-20T17:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.hhu.de\/duesseldorfer-archiv\/?p=753"},"modified":"2016-04-20T12:28:33","modified_gmt":"2016-04-20T12:28:33","slug":"4b-o-17009-prozesskostensicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/d-prax.de\/?p=753","title":{"rendered":"4b O 170\/09 &#8211; Prozesskostensicherheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"field field-type-text field-field-nummer\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item odd\">\n<div class=\"field-label-inline-first\"><strong>D\u00fcsseldorfer Entscheidung Nr.: 1428<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Landgericht D\u00fcsseldorf<br \/>\nZwischenurteil vom 20. April 2010, Az. 4b O 170\/09<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Antrag der Beklagten vom 26.11.2009, dem Kl\u00e4ger die Leistung von Sicherheit f\u00fcr die Prozesskosten aufzuerlegen, wird zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>T a t b e s t a n d<br \/>\nDer in den USA ans\u00e4ssige Kl\u00e4ger ist eingetragener Inhaber des europ\u00e4ischen Patents 1 391 XXX betreffend Sicherheitsetiketten. Er nimmt die Beklagte zu 1) und den Beklagten zu 2), den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Beklagten zu 1), wegen angeblicher Patentverletzung auf Unterlassung, Vernichtung, Feststellung der Schadensersatzverpflichtung sowie Auskunft und Rechnungslegung in Anspruch.<\/p>\n<p>Nach Erhebung der Klage mit Klageschrift vom 4.09.2009 wurde mit Verf\u00fcgung vom 11.09.2009 fr\u00fcher erster Termin auf den 3.11.2009 bestimmt. In diesem Termin beantragten die Beklagten allein die Abweisung der Klage (Bl. 21 d. GA). Mit Schriftsatz vom 26.11.2009 erhoben die Beklagten, innerhalb der ihnen im fr\u00fchen ersten Termin gesetzten Klageerwiderungsfrist, die Einrede der mangelnden Prozesskostensicherheit.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger tritt dem Verlangen nach Leistung einer Prozesskostensicherheit wegen Versp\u00e4tung entgegen.<\/p>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<br \/>\nDa die Parteien \u00fcber die Berechtigung der Einrede der Prozesskostensicherheit streiten, ist \u00fcber diese Frage durch Zwischenurteil zu entscheiden (BGH NJW-RR 1990, 378; BGH NJW 1974, 238; K\u00fchnen\/Geschke, Die Durchsetzung von Patenten in der Praxis, 4. Aufl., Rdnr. 860; Musielak, ZPO, 7. Aufl., \u00a7 110, Rdnr. 9, \u00a7 112 Rdnr. 2; Z\u00f6ller\/Herget, ZPO, 27. Auflage, \u00a7 112 Rn. 1).<\/p>\n<p>I.<br \/>\nDer Antrag auf Anordnung einer Prozesskostensicherheit gem\u00e4\u00df \u00a7 110 ZPO ist zur\u00fcckzuweisen. Der Kl\u00e4ger hat zwar seinen gew\u00f6hnlichen Aufenthalt nicht in einem Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Union oder einem Vertragsstaat des Abkommens \u00fcber den Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum. Die Einrede der Beklagten ist jedoch wegen Versp\u00e4tung gem\u00e4\u00df \u00a7 296 Abs. 3 ZPO zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>Die Einrede mangelnder Sicherheit f\u00fcr Prozesskosten gem\u00e4\u00df \u00a7 110 ZPO geh\u00f6rt zu den die Klage betreffenden verzichtbaren R\u00fcgen, die nach \u00a7 282 Abs. 3 S. 1 ZPO grunds\u00e4tzlich gleichzeitig und vor der ersten m\u00fcndlichen Verhandlung zur Hauptsache zu erheben sind (BGH, Beschluss v. 19.07.2007, BeckRS 2007, 14861; BGH NJW-RR 2006, 496; BGH NJW-RR 2005, 148). Als m\u00fcndliche Verhandlung ist insoweit auch ein fr\u00fcher erster Termin zu verstehen, der vor Bestimmung (und Ablauf) einer Klageerwiderungsfrist stattfindet und in dem Antr\u00e4ge verlesen, Schriftsatzfristen bestimmt sowie ein Haupttermin anberaumt wird (LG D\u00fcsseldorf, InstGE 9, 18 \u2013 Belaghalter f\u00fcr Scheibenbremsen; K\u00fchnen\/Geschke, Die Durchsetzung von Patenten in der Praxis, 4. Aufl., Rdnr. 858).<br \/>\nWird die Einrede gem\u00e4\u00df \u00a7 110 ZPO erst nach dem Termin zur m\u00fcndlichen Verhandlung erhoben, ist sie versp\u00e4tet und nach \u00a7 296 Abs. 3 ZPO, der auch bei fr\u00fchen ersten Terminen Anwendung findet, nur noch dann beachtlich, wenn ihre versp\u00e4tete Erhebung gen\u00fcgend entschuldigt ist (BGH, Beschluss v. 19.07.2007, BeckRS 2007, 14861; BGH NJW-RR 2006, 496; Schulte\/K\u00fchnen, PatG, 10. Aufl., \u00a7 139 Rdnr. 264; Musielak, ZPO, 7. Aufl., \u00a7 296 Rdnr. 31). \u00a7 296 Abs. 2 ZPO wird von den Sonderregelungen der \u00a7\u00a7 282 Abs. 3, 296 Abs. 3 ZPO verdr\u00e4ngt und findet deshalb auf R\u00fcgen, die die Zul\u00e4ssigkeit einer Klage betreffen, keine Anwendung (BGH NJW-RR 2006, 496; OLG D\u00fcsseldorf NJW-RR 1992, 959).<br \/>\nEine Abweichung von den Vorgaben der \u00a7\u00a7 282 Abs. 3 S. 1, 296 Abs. 3 ZPO wegen des Zwecks dieser Bestimmungen, \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit der Klage umfassend und vor einer Pr\u00fcfung ihrer Begr\u00fcndetheit zu entscheiden, ist nicht geboten. Die Kammer vermag sich der Argumentation der Beklagten hierzu nicht anzuschlie\u00dfen. Sinn und Zweck der Vorschriften zeigen vielmehr, dass bis bzw. in einer anberaumten m\u00fcndlichen Verhandlung eine R\u00fcge betreffend die Zul\u00e4ssigkeit der Klage zu erheben ist. Nur dann ist gew\u00e4hrleistet, dass \u2013 wenn es dahingehende Einreden gibt \u2013 zun\u00e4chst \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit der Klage entschieden werden kann, bevor in eine unwirtschaftliche Sachpr\u00fcfung eingetreten werden muss. Dies gilt gerade auch f\u00fcr verzichtbare Zul\u00e4ssigkeitsr\u00fcgen wie die Einrede nach \u00a7 110 ZPO.<\/p>\n<p>Ausgehend hiervon ist die Einrede der mangelnden Prozesskostensicherheit der Beklagten versp\u00e4tet. Im fr\u00fchen ersten Termin am 3.11.2009 haben sie lediglich einen Klageabweisungsantrag gestellt. Die Einrede nach \u00a7 110 ZPO haben sie erst dreiundzwanzig Tage sp\u00e4ter mit Schriftsatz vom 26.11.2009 erhoben. Gr\u00fcnde, die das versp\u00e4tete Erheben der Einrede entschuldigen k\u00f6nnten, sind von den Beklagten nicht vorgetragen worden. Der Beklagtenvertreter hat in der m\u00fcndlichen Verhandlung am 13.04.2010 vielmehr angegeben, derartige Entschuldigungsgr\u00fcnde gebe es nicht.<\/p>\n<p>II.<br \/>\nEine Entscheidung \u00fcber prozessuale Nebenentscheidungen ist im Zwischenurteil nicht zu treffen (vgl. Z\u00f6ller\/Vollkommer, ZPO, 27. Auflage, \u00a7 303 Rn. 10 a. E.).<\/p>\n<div class=\"meta meta-footer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorfer Entscheidung Nr.: 1428 Landgericht D\u00fcsseldorf Zwischenurteil vom 20. 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