{"id":1379,"date":"2014-08-08T17:00:01","date_gmt":"2014-08-08T17:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.hhu.de\/duesseldorfer-archiv\/?p=1379"},"modified":"2016-04-21T14:22:39","modified_gmt":"2016-04-21T14:22:39","slug":"4c-o-3814-prozesskostensicherheit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/d-prax.de\/?p=1379","title":{"rendered":"4c O 38\/14 &#8211; Prozesskostensicherheit (2)"},"content":{"rendered":"<div class=\"field field-type-text field-field-nummer\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item odd\">\n<div class=\"field-label-inline-first\"><strong>D\u00fcsseldorfer Entscheidung Nr.:\u00a02296<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Landgericht D\u00fcsseldorf<br \/>\nZwischenurteil vom 8. August 2014, Az. 4c O 38\/14<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4gerin wird aufgegeben, der Beklagten zu 1. wegen der Prozesskosten Sicherheit in H\u00f6he von 117.000,00 EUR binnen einer Frist bis zum 2. September 2014 zu leisten.<\/p>\n<p>Die Sicherheit kann auch durch die unbedingte, insbesondere selbstschuldnerische und unbefristete B\u00fcrgschaft eines in der Bundesrepublik Deutschland zum Gesch\u00e4ftsbetriebs befugten Kreditinstituts erbracht werden.<\/p>\n<p><b>TATBESTAND<\/b>:<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin, die ihren Gesch\u00e4ftssitz in der kanadischen Provinz Ontario hat, nimmt die Beklagten aus dem auch mit Wirkung f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland erteilten europ\u00e4ischen Patent EP 1 636 XXX B1 auf Unterlassung, Auskunft und Rechnungslegung sowie Feststellung der Schadensersatzpflicht in Anspruch.<\/p>\n<p>In dem hier zur Entscheidung stehenden Zwischenstreit ist zun\u00e4chst nur \u00fcber die Verpflichtung der Kl\u00e4gerin zur Leistung einer Prozesskostensicherheit gem\u00e4\u00df \u00a7 110 ZPO zu befinden, nachdem die Beklagte zu 1. in der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 5. August 2014 unter Bezugnahme auf ihren Schriftsatz vom 1. August 2014 (Bl. 44 d.A.) einen entsprechenden Antrag gestellt hat. An die in Italien gesch\u00e4ftsans\u00e4ssige Beklagte zu 2. ist die Klageschrift noch nicht wirksam zugestellt worden.<\/p>\n<p>Die Beklagte zu 1. beantragt,<\/p>\n<p>der Kl\u00e4gerin aufzugeben, ihr innerhalb einer vom Gericht zu bestimmenden Frist wegen der Prozesskosten Sicherheit zu leisten.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<\/p>\n<p>den Antrag der Beklagten zu 1. auf Leistung einer Prozesskostensicherheit zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>Auf den Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten Schrifts\u00e4tze samt Anlagen wird erg\u00e4nzend Bezug genommen.<\/p>\n<p><b>ENTSCHEIDUNGSGR\u00dcNDE<\/b>:<\/p>\n<p>Der zul\u00e4ssige, insbesondere rechtzeitig im Sinne von \u00a7 282 Abs. 3 ZPO gestellte Antrag der Beklagten zu 1. auf Leistung einer Prozesskostensicherheit durch die Kl\u00e4gerin ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 110 Abs. 1 ZPO muss ein Kl\u00e4ger, der seinen gew\u00f6hnlichen Aufenthalt nicht in einem Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Union oder einem Vertragsstaat des Abkommens \u00fcber den Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum hat, auf Verlangen des Beklagten wegen der Prozesskosten Sicherheit leisten. Diese Voraussetzungen liegen in Bezug auf die in der Provinz Ontario in Kanada gesch\u00e4ftsans\u00e4ssige Kl\u00e4gerin vor.<\/p>\n<p>Es greift keiner der Ausnahmetatbest\u00e4nde des \u00a7 110 Abs. 2 ZPO ein. Eine wirksame Befreiung nach \u00a7 110 Abs. 2 Nr. 1 ZPO auf Grund Staatsvertrages besteht in Bezug auf Kanada nicht (Baumbach\/Lauterbach, ZPO, 72. Auflage 2014, Anh. \u00a7 110 \u201eKanada\u201c). Der in Betracht kommende Artikel 14 des Deutsch-Britischen Abkommens \u00fcber den Rechtsverkehr vom 20. M\u00e4rz 1928 (RGBl. 1928 II, 623), der grunds\u00e4tzlich auch in Bezug auf Kanada gilt, gew\u00e4hrt nur dann eine Befreiung von der Verpflichtung zur Leistung einer Prozesskostensicherheit, wenn der Kl\u00e4ger seinen Wohnsitz in Deutschland hat, was vorliegend gerade nicht der Fall ist und im \u00dcbrigen schon keine Prozesskostensicherheitspflicht nach \u00a7 110 Abs. 1 ZPO ausl\u00f6sen w\u00fcrde (Sch\u00fctze, RIW 1999, 10, 11; OLG Karlsruhe, NJW-RR 2008, 944; aA wohl Z\u00f6ller\/Geimer, ZPO, 30. Auflage 2014, Anh. IV, \u201eKanada\u201c unter Verweis auf das dt-brit. Abkommen vom 20. M\u00e4rz 1928).<\/p>\n<p>Auch die Voraussetzungen des \u00a7 110 Abs. 2 Nr. 2 ZPO liegen nicht vor. Der wiederum in Betracht kommende Art. 14 des Deutsch-Britischen Abkommens \u00fcber den Rechtsverkehr vom 20. M\u00e4rz 1928 enth\u00e4lt keine Regelung \u00fcber die Anerkennung und Vollstreckung von Kostenentscheidungen gegen den unterliegenden Kl\u00e4ger (OLG Karlsruhe, aaO). Andere Staatsvertr\u00e4ge, die eine staatsvertragliche Vollstreckbarkeit einer Prozesskostenentscheidung zugunsten des Beklagten vorsehen (z.B. Art. 18 des Haager \u00dcbereinkommens \u00fcber den Zivilprozess vom 1. M\u00e4rz 1954) gelten nicht im Verh\u00e4ltnis zu Kanada (Bachmann in: Geimer-Sch\u00fctze, Internationaler Rechtsverkehr in Zivil- und Handelssachen, Stand: 47. Erg\u00e4nzungslieferung Januar 2014, Band V, 1065, 17).<\/p>\n<p>Die von Z\u00f6ller\/Geimer, ZPO, 30. Auflage 2014, Anh. IV, \u201eKanada\u201c in Bezug genommene Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 5. M\u00e4rz 2009 (BGH NJW-RR 2009, 1652), die sich mit der Gegenseitigkeit der Anerkennung und Vollstreckung von Zahlungsurteilen im Verh\u00e4ltnis zur Provinz Ontario besch\u00e4ftigt und diese bejaht, d\u00fcrfte sich ausschlie\u00dflich auf die Frage der Gegenseitigkeit der Anerkennung und Vollstreckbarkeit von Urteilen im Sinne des \u00a7 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO beschr\u00e4nken und sich nicht erg\u00e4nzend zur Sicherheitsleistungspflicht des Beklagten verhalten. Auf das Vorliegen der Gegenseitigkeit i.S.d. \u00a7 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO kommt es nach der Neufassung des \u00a7 110 ZPO f\u00fcr die Frage der Verpflichtung zur Leistung einer Prozesskostensicherheit jedoch gerade nicht mehr an (Z\u00f6ller\/Herget, ZPO, 30. Auflage 2014, \u00a7 110 Rdnr. 6).<\/p>\n<p>Die Kostenentscheidung bleibt dem Endurteil vorbehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorfer Entscheidung Nr.:\u00a02296 Landgericht D\u00fcsseldorf Zwischenurteil vom 8. 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